Die Sage der Schlätterwaldwölfe
- Aus einer längst vergangenen Zeit

Dereinst nahebei einem Schloss des Adelsgeschlecht der Welfen, befand sich ein schier nicht enden wollender Forst, bewohnt von zahlreichen prächtigen Wesen. Der Wald umgeben von morastig seichtem Gewässer, der Schlatt durchströmte aus allen Richtungen die schauerliche Waldung, inmitten dessen reinste Finsternis ersichtlich war.
In den alljährlichen zwölf Nächten in der Dauer zwischen den Jahren, als noch der Mond den Verlauf der Zeit von Menschen bestimmte, verbargen sie ihre Nachtfurcht hinter frohem Gelage, Maskeraden und Trinkseligkeit. Met und Spirituosen, der Wildschützen Beute aus der Jagd der Hirsche, versorgte diesen Festakt.
Jedoch lebten nicht nur die herrlichen Hirsche, sondern auch ein uraltes, mächtiges Rudel Wölfe in jenem Wald. Angetrieben durch ihren Anspruch auf Ruhe und Einklang mit jenen Wesen im Forst, machte das Rudel jagt auf die Wildschützen. Zur Folge dessen erzählte man bereits dem jüngsten Nachwuchs, zu dieser Zeit sich fernzuhalten von Höhlen, Wäldern und niemals abseits der Wege zu gehen.
Nächtlicherweile vom Mondlicht erhellt, erstreckte sich das nachtumhüllte Gehölz am nebelschweren Schlatt. Tief verborgen zwischen bemoosten Stämmen und herabgefallenen totem Geäst, lebten seit jeher die letzten prächtigen Hirsche. Genährt vom kraftvollen Lichtmond, erhebt sich das nun mächtige Wolfsrudel, ingrimmig mit scharfen Zähnen und blutrünstig unheilvollen Blick. Nun beginnt die wilde Jagd, zur wolkendunkel bezogenen Mitternacht. Jene armen Seelen, welche sich im inneren verliefen, erlagen dem Sinnenrausch und wurden zu ihresgleichen. Schutzlos abgewandt der Gefahr, durch das Toben und Treiben der Narretei, brach das rachsüchtige Rudel Wölfe herein.
Einstmals dem grausam animalischen Akt überdrüssig, entschloss sich eine Handvoll Wildschützen dem ein Ende zu setzen. Doch mit Todesfurcht von Wölfen durch den Schlätterwald getrieben, sind sie letztlich verirrt an einer Lichtung entkräftet verblieben. Dank einem Glücksfall, erstrahlte alles ebendort sonnenhell. Sie konnten sich der Dunkelheit erretten. Im Licht geschwächt kam das Rudel hervor, mit sichtbar grauem Fell. Bewältigt trotz ihrer unaufhörlichen Gier, erlagen sie unbedacht den Schützen eisernen Ketten.
Von jenem Tage an wusste es jedermann. Es findet Ausklang zur letzten fasten Nacht, folgend der Morgenröte erster Lichtschein. Entzogen ihrer dämonischen Macht, wird ihr Schicksal abermals besiegelt sein.